Zuckerfreie Süssigkeiten: Gefahr für Hunde!

Immer wieder verwöhnen Tierbesitzer ihre Lieblinge gerne mit kleinen "Leckerlis". Dass Schokolade für Hunde Gift ist, dürfte inzwischen den Meisten bekannt sein. Doch Vorsicht, es gibt noch andere Gefahren. Viele Produkte enthalten heute den Zuckeraustauschstoff Xylitol (kurz Xylit genannt), welcher der Gesundheit des Hundes schadet und unter Umständen sogar ein tödliches Risiko für den Vierbeiner darstellen kann.

Xylitol ist mittlerweile ein häufiger Bestandteil zuckerfreier Süssigkeiten. Er findet sich als Süssstoff in Nahrungsmitteln wie Kaugummi, Bonbons, Backmittel, Keksen oder Kuchen sowie in Zahnpasta oder in therapeutischen Nährlösungen. Aber auch in Früchten (z. B. Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren) und in Gemüse (z.B. Blumenkohl, Mais) ist Xylitol - wenn auch dort nur in sehr niedrigen Konzentrationen - als natürlicher Zuckeralkohol enthalten.

Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass Xylitol bei Hunden die Ausschüttung körpereigenen Insulins ins Blut deutlich steigert, so dass es bei den Tieren zu einem lebensbedrohlichen Abfall des Blutzuckerspiegels kommen kann. Die Wirkung tritt etwa 30 Minuten nach der Aufnahme von grösseren Mengen xylitolhaltiger Produkte ein. Erste Symptome sind Schwäche, Verlust der Koordinationsfähigkeit und Krämpfe. Auch gibt es den Verdacht, dass Xylitol Leberschäden bei Hunden verursacht.

Als Konsequenz aus eigenen Untersuchungen hatten die American Society for the Prevention of Cruelty to Animals (ASPCA) und das Animal Poison Control Center bereits vor ein paar Jahren vor der Verfütterung von xylitolhaltigen Produkten gewarnt. So wurden nach Mitteilung der ASPCA im Jahr 2005 in den USA 170 Vergiftungsfälle bei Hunden registriert, die im Zusammenhang mit Xylitol standen - Tendenz steigend!

Nach Angaben des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie an der Universität Zürich sind schon relativ geringe Mengen Xylitol für Hunde giftig. In wissenschaftlichen Zahlen ausgedrückt heißt das: Schon 1 Gramm Xylitol pro Kilogramm Körpergewicht führt beim Hund zu einem deutlichen Insulinanstieg nach 45 Minuten. Der Plasma-Glukose-Spiegel sinkt innerhalb von 10 bis 20 Minuten deutlich, mit Tiefstwerten um 50 mg/dl nach einer Stunde (der Referenzbereich liegt zwischen 60 und 100 mg/dl).

Symptome einer Xylitolvergiftung beim Hund sind Teilnahmslosigkeit, allgemeine Schwäche, Bewegungs- und Koordinierungsstörungen; Benommenheit und Bewusstseinstrübungen bis zum Koma sowie Zittern oder epilepsieartige Anfälle. Bei Langzeitverabreichung von Xylitol können Ablagerungen (sogenannte Oxalatkristalle) in Gehirn und Niere auftreten.

Deshalb der Rat an alle Hundebesitzer: grundsätzlich keine Nahrungsmittel für Menschen verfüttern! Ebenso sollten xylitolhaltige Süsswaren nicht offen in der Wohnung herumliegen. Beim ersten Verdacht auf Vergiftungssymptome sollte unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden, der die geeignete Behandlung einleiten kann.

20 Minuten am 11.09.2017 - Mehr vergiftete Hunde wegen Süssungsmitteln

Zahl der Vergiftungen nimmt zu

Die Leiterin der Notfall- und Intensivmedizin im Tierspital Bern, Katja Adamik, bestätigt einen Anstieg solcher Vergiftungen: «Bis vor einigen Jahren sahen wir das nie.» Nur wenige Hundehalter wüssten über die Gefahr der künstlichen Süssungsmittel Bescheid, die beispielsweise in Kaugummis, Zahnpasta, Kuchen oder Guetsli für Diabetiker enthalten sind.

«Leider kommt es vor, dass Hunde mit bereits massiven Symptomen zu uns kommen und eine intensive sowie teure Therapie über sieben bis zehn Tage notwendig ist, um den Hunden zu helfen», sagt Adamik. Anzeichen für eine Vergiftung seien Erbrechen, Apathie und Schwäche bis hin zu Krampfanfällen.

Laut Marie Müller, Tierärztin und Vorstandsmitglied des Schweizer Vereins für Kleintiermedizin, werden diese Süssstoffe auch in homöopathischen Präparaten verwendet: «Wir untersuchen nicht selten Patienten – vor allem Hunde –, die Lebensmittel mit Xylitol gefressen haben.» Die Süssstoffe seien aber auch für Katzen, Kaninchen, Kühe oder Ziegen gefährlich. «Wir bringen das Tier dann zum Erbrechen, um das Xylitol aus dem Magen zu holen, bevor es ins Blut aufgenommen wird.»

Auch zum Süssungsmittel Stevia hat es laut Müller schon Anfragen beim Toxzentrum gegeben: «Die Symptome sind theoretisch bei beiden Stoffen die gleichen – der Blutzucker sinkt stark und das Tier leidet dann an einer Hypoglykämie, einer Unterzuckerung.» Als Sofortmassnahme dagegen, könne man dem Tier auch Zuckerwasser oder Honig geben – «aber unbedingt immer Kontakt mit einem Tierarzt aufnehmen».

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12.09.2017